Der Name des Windes #1 von Patrick Rothfuss | Rezension

Worum geht es?

»Vielleicht habt ihr von mir gehört« … von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot – »sie haben einfach die falschen Lieder gesungen«. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken

Der Name des Windes von Patrick Rothfuss

Wie war mein Eindruck?

COVER/GESTALTUNG Der Schutzumschlag sieht wunderwunderschön aus. Allein die Schrift des Titels weist in mancher Hinsicht auf den Wind hin. Auch die Farben an sich harmonisieren super miteinander. Vorne ist ein Junge zu sehen, mit Wanderstock und Schwert und leicht rötlichem Haar. Rechts kann man eine Stadt erkennen. Ich finde es vor allem sehr passend zum Inhalt des Buches, aber auch allgemein gefällt mir das Cover sehr gut. Im Buch selbst sind die einzelnen Kapitelüberschriften mit solchen Schnörkeln verziert und ich finde, das hebt es ein wenig ab. Nicht zu viel und nicht zu wenig.

ERSTER SATZ „Es war wieder Abend geworden.“

HANDLUNG Fand ich sehrsehrsehrsehr gut! Ich habe schon lange kein mehr so tolles Buch gelesen, ehrlich. Die Handlung splittet sich auf in Gegenwart und Vergangenheit. In den ersten Kapiteln wird von einem Wirtshaus sowie verschlimmerten Unruhen auf den Straßen bis hin zu Angriffen berichtet und man lernt den Wirt Kote kennen. Man trifft auf den Chronisten sowie auf Bast, dem Schüler von Kote. Und jeder scheint sein eigenes Geheimnis zu hüten. Schließlich kommt es so, dass der Chronist die Geschichte von Kote, eigentlich Kvothe, zu hören bekommt und sie aufschreiben will. Kvothe verlangt drei Tage zum Erzählen seiner Geschichte, und dieser Band ist der erste Tag. Das habe ich anfangs nämlich gar nicht verstanden, als ich das Buch kaufen wollte. Ich dachte, Kvothe erlebt das alles an einem Tag, haha, und in den zwei weiteren andere Abenteuer. Kam mir skurril vor, aber was hat man nicht alles gesehen heutzutage. Jedenfalls war ich positiv überrascht von dem gesamten Einstieg in die Handlung und auch diese Wirtshaus-Kapitel haben es mir angetan. Sie sind in der Er/Sie-Perspektive verfasst, sind aber nicht weniger gut. Über das ganze Buch tauchen sie immer wieder auf und zum Schluss schließt sich der Rahmen wieder mit dem Wirtshaus und bringt erst recht Spannung und einen miesen Cliffhanger mit rein. Das Buch beginnt mit der Beschreibung von drei verschiedenen Stillen, die Beschreibung von ihnen fand ich im Übrigen einfach super und einfach nur genial, weil man sie kennt und auch irgendwo spürt. Diese Stillen werden ebenfalls am Ende beschrieben und ich finde, das schließt das ganze erste Buch wunderbar flüssig ab. In den anderen Kapiteln über die Vergangenheit berichtet Kvothe in der Ich-Perspektive über seine Familie, sein Leben als Edema Rhu, seinem Sympathie-Lehrer Abenthy, die Chandrian, sein Leben als Straßenkind in Tarbean, sein Aufbruch zur Universität und all die Intrigen, Recherchen und Erfahrungen bis hin zur neuen Spur der Chandrian. Rückblickend kann ich sagen, dass der erste Tag der Erzählung ein Grundstein darlegt. Man erfährt etwas über Magie, eigentlich Sympathie, man lernt die Welt von Kvothe kennen, die Traditionen und Grausamkeiten in seinem Leben. Auch wenn an sich die Handlung nicht direkt actionreich und direkt spannend war, wurde ich trotzdem mitgerissen, konnte nicht aufhören zu lesen und wollte mehr über diesen Jungen erfahren, der nun als Wirt in einem abgelegenen Wirtshaus arbeitet. Ich denke, dieser „actionreiche“ Teil kommt erst noch, denn wie gesagt – dieses Buch legt den Grundstein und ist ein Gerüst, worauf der Autor aufbauen will.

CHARAKTERE Kvothe, ich liebe diesen Namen!, ist ein faszinierende Charakter, den der Autor geschaffen hat. Auf den ersten Blick scheint er ein normaler Junge zu sein, auf dem zweiten Blick ist er neugierig, überaus klug und wissbegierig, lernt schnell und kann viel. Aber auf dem dritten Blick ist er vor allem eins: vielschichtig. Er hat Fehler, viele Fehler, gerade seine ab und an durchdringende Draufgänger-Art und Arroganz sind ein Teil von ihm, den er sich nach dem Tod seiner Eltern angeeignet hat. Aber dies ist seine Entwicklung, eine natürliche, denn als Straßenkind auf sich allein gestellt muss man sich behaupten, bekommt nichts in den Hintern geschoben. Später, an der Universität, lernt Kvothe dazu, schließt prägende Freundschaften – er wird zuvorkommend, hilft und beschützt. Und in gewissermaßen lernt er sich selbst wieder kennen. Nur neu und anders. Er stürzt sich nicht wie erwartet in irgendeine Liebe zu einem Mädchen, nein, er reagiert so anders als erwartet, was mich einfach überrascht hat. Natürlich hat er eine Schwäche für ein gewisses Mädchen, aber er ist so vorsichtig, übervorsichtig und nicht direkt … eifersüchtig auf andere Männer. Ich weiß auch nicht, aber es war positiv anders.

“You have to be a bit of a liar to tell a story the right way.”

Neben Kvothe finde ich vor allem Elodin faszinierend. Er ist jünger, man kann ihn überhaupt nicht einschätzen und er ist verrückt, wirklich verrückt und hat tausend Schrauben locker, aber er ist klug und ich glaube in mancher Weise ähneln er und Kvothe sich. Ich habe über ihn so manches Mal laut aufgelacht und den Kopf geschüttelt und hach, ich finde ihn als Charakter einfach nur super klasse und einzigartig. (Allein die Sache mit seinem einzigen Seminar: Unwahrscheinlichkeitsrechnung. Laut Verzeichnis fand das Seminar „jetzt“ statt, und als Ort war „überall“ angegeben.)

Charaktere wie Bast und der Chronist, aber auch Auri, Denna, Fela und seine beiden Jungs an der Uni sind interessant, teils geheimnisvoll, haben mehrere Schichten und sind einfach nur menschlich. Finde ich super. Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen, Mr. Rothfuss! Ich kann gar nicht alle aufzählen, ich will nicht zu viel vorausnehmen für jemanden, der die Bücher noch genießen will. Es gibt wunderschöne Nebencharaktere, selbst die fiesen sind soso toll, ah, mir gehen die Adjektive aus, haha.

SCHREIBSTIL Episch! Überaus episch. Lässt sich flüssig lesen, die Seiten fliegen nur so dahin (ein Glück, das Buch ist ein kleiner Schinken mit seinen 800 Seiten). Patrick Rothfuss zaubert neben einzigartigen Charakteren, Handlungen und Orten aber auch überaus poetische Abschnitte, deren jeden einzelnen ich am Liebsten mit einem großen Herz versehen will. Sie sind so wahr und wunderbar beschrieben und ich mag das gerade alles noch einmal lesen und darin versinken, das glaubt ihr nicht. Tolltolltoll! Episch!

FAZIT Als Auftakt der Königsmörder-Chroniken finde ich dieses Buch super. Tag 1 gefällt mir sehr gut, die Charaktere verzaubern die Handlung und die Handlung verzaubert mich. Die eingebundenen Lieder, die Chandrian und auch die Edema Ruh selbst sorgen für ein gewisses Flair, das dieses Buch prägt. Patrick Rothfuss hat hier etwas einzigartiges geschrieben, das sofort auf in mein „Lieblingsbücher-Regal“ direkt neben Tolkien kommt. (Im übrigen: ich finde, der Autor selbst sieht aus wie direkt aus dem Buch entsprungen … nichts gegen Sie, Mr. Rothfuss! Das hat mal Klasse!)

 

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