Ein plötzlicher Todesfalls von J.K. Rowling | Rezension

Worum geht es?

Als Barry Fairbrother mit Anfang vierzig plötzlich stirbt, sind die Einwohner von Pagford geschockt. Denn auf den ersten Blick ist die englische Kleinstadt mit ihrem hübschen Marktplatz und der alten Kirche ein verträumtes und friedliches Idyll, dem Aufregung fremd ist. Doch der Schein trügt. Hinter der malerischen Fassade liegt die Stadt im Krieg. Krieg zwischen arm und reich, zwischen Kindern und ihren Eltern, zwischen Frauen und ihren Ehemännern, zwischen Lehrern und Schülern. Und dass Barrys Sitz im Gemeinderat nun frei wird, schafft den Nährboden für den größten Krieg, den die Stadt je erlebt hat. Wer wird als Sieger aus der Wahl hervorgehen – einer Wahl, die voller Leidenschaft, Doppelzüngigkeit und unerwarteter Offenbarungen steckt?

15710319bWie war mein Eindruck?

COVER/GESTALTUNG  Das Cover sagt mir sehr zu. Das große Wahlkreuz passt wunderbar zu der Handlung in dem Buch. Die Schrift und auch die Farben als Kombination sagen mir sehr zu und sind definitiv mal etwas anderes. Auf der Rückseite kann man den Schatten von Pagford mit seiner berühmten Abtei erkennen. Wenn man den Schutzumschlag abnimmt, ist das Buch schwarz mit weißer Schrift am Buchrücken bestückt. Im Inneren ist das Buch in sechs Teile aufgesplittet, Verzierungen oder ähnliches gibt es nicht.

ERSTER SATZ  Barry Fairbrother wäre lieber zu Hause geblieben.

HANDLUNG  Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass es ein Krimi sein soll. Ist es aber nicht. Keineswegs. Das Buch an sich besitzt nicht einmal viel Handlung, ehrlich gesagt. Und auch eine direkte “Spannung” gibt es nicht. Das Buch setzt sich mit der plötzlichen Vakanz durch Barry Fairbrothers Tod auseinander. Die Gemeinde Pagford (und Fields) nimmt dessen Tod in verschiedenen Weisen auf: die einen trauern, die anderen lachen sich glücklich ins Fäustchen, denn somit ist ein Platz im Gemeinderat offen. Es geht um Themen, dass ein Teil der nächstgrößeren Stadt weiter zu dem Dorf Pagford gehören soll sowie die eventuelle Schließung der Entzugsklinik in der Nähe. Verschiedene Familie machen ihre Standpunkte deutlich, haben ihre eigenen, dunklen Geheimnisse und manche tratschen für ihr Leben gern, dass es in Pagford nie langweilig wird. Der Einstieg ist recht trocken, nach dem Tod von Barry habe ich mich schwer getan. Es gibt viele Charaktere und Rowling schreibt eigentlich zu jedem eine Sichtweise (so gut wie). Nachdem dieses Problem aber nach den ersten 100 Seiten verflogen ist und ich mir die Leute alle mit ihren Positionen, Meinungen und Beziehungen merken konnte, ging es doch recht gut voran. Die einzelnen Handlungsstränge befassen sich neben der Wahl auch mit Drogen, mit Vernachlässigung, Missbrauch und Vergewaltigung, Gerüchten, Schmierereien, ein wenig Schmachterei und Misstrauen. Generell ist die Handlung recht trist und düster gehalten, aber ich finde, es hätte auch gar nicht anders zu dem Buch an sich gepasst mit diesen Themen. Das Ende war dann sehr dramatisch, etwas zu viel für meinen Geschmack. Jeder erlebte seinen eigenen Höhepunkt in der Geschichte und dieser war meistens mit den der anderen verwoben, sodass es noch dramatischer wurde und einfach zu aufgesetzt wirkte. An manchen Stellen wurde mir regelrecht schlecht und ich dachte nur: OHMEINGOTTWAS?! Ein Handlungsstrang hat mich sehr berührt und im Nachhinein kann ich sagen, dass mich das Buch – trotz Themen wie Lokalpolitik (das ich wirklich öde/langweilig/wasauchimmer finde) – total geflasht hat. Und das mag echt schon was heißen bei mir. Rowling hat einfach mal wieder gezeigt, wie verbissen sich die Menschen an Vorurteile klammern, sich eigentlich nur mit sich selbst und ihren Problemen befassen und nur zu gerne wegschauen.

CHARAKTERE  Barry, Mary, Declan, Fergus, Niamh, Siobhan, Kay, Gaia, Gavin, Lisa, Parminder, Vikram, Sukhvinder, Jaswant, Rajpal, Tessa, Colin, Stuart, Simon, Ruth, Paul, Andrew, Krystal, Terri, Cheryl, Robbie, Nana Cath, Samantha, Miles, Lexie, Libby, Patricia, Melly, Shirley, Howard und Maureen sind die Charaktere des Buchs. Es geht an sich um acht Familien im Dorf Pagford. Da gibt es die Tonansager, die Kinder derer, die zugezogene Geliebte mit Tochter, die frische Witwe mit vier Kindern, die indische Arztfamilie mit zwei Vorzeigekindern und der problematischen Sukhvinder, die Beratungslehrering mit stellvertretenden Direktor als Mann und Problemkind Stuart “Fats” Wall, die abgeschiedene Familie Price mit Schmierereien sowie die drogenabhängige Terri mit zwei Kindern, die sich durch das Leben mit Drogen und Missbrauch schlagen müssen. Jeder einzelne Charaktere ist sehr interessant dargestellt, jeder entwickelt sich im Laufe des Buches und zeigt Veränderungen in deren Einstellung auf (besonders Fats und Arf haben es mir angetan, aber auch Samantha sowie Kay). Jeder besitzt unterschiedliche Meinungen, es wird gern getratscht, Gerüchte sind alles und doch geht es um viel mehr bei ihnen. Man mag sie und man mag sie nicht, im Laufe des Buches kann sich das aber auch wieder schnell ändern und am Ende denkt man sich nur: Was?! Es gibt Überraschungen bei jedem einzelnen, Geheimnisse undundund. Besonders angetan hat es mir Krystal mit ihrer Geschichte, aber auch die von Fats. Auch die der indischen Familie war nicht schlecht. Und schon siehe da – ich fand alle echt super. Eine kunterbunte Vielfalt von allem, würde ich sagen.

SCHREIBSTIL  Typisch Rowling. Der Erzählstil war wirklich wie immer. Es hat sich flüssig weggelesen, man war gefesselt und konnte das Buch nicht mehr weglegen. Rowling benutzt für dieses Buch einen sehr groben Ton, es wird offen und dreckig über Sex geredet, umd Drogen und Missbrauch. An manchen Stellen wurde mir auch regelrecht schlecht durch ihre offenen Worte, was aber keinesfalls negativ ist. Die härtere Ausdrucksweise passt einfach zu dem Buch und dem Thema an sich und ich glaube, Rowling wollte auch ein wenig zeigen, dass sie mehr als Kinder/Jugendbücher schreiben kann. Kann sie!

FAZIT  Ein sehr gutes Buch, dass mich umgehauen hat. Es wirkt auf den ersten Blick recht dick und auch die ersten Seiten sind wirklich trocken, dass man zu knabbern hat. Aber ist dies einmal überwunden, liest es sich wirklich gut. Rowling hat was wunderbar neues Interessantes geschaffen, dass sich von anderen Bücher abgrenzt, einen wieder über sich selbst nachdenken lässt. Der Stil ist super, die Charaktere vielfältig, nicht langweilig und sehr vielschichtig, die Handlung trotz Lokalpolitik durch die vielen Familien interessant dargestellt und nicht eintönig. Ein dramatischtrauriges Ende, vielleicht ein wenig zu viel des Guten, aber sonst einfach geflasht!

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