Grischa #1-3 von Leigh Bardugo | Beendete Buchreihe

“I’ve been waiting for you a long time, Alina. You and I are going to change the world.”- Shadow and Bone

Schon lange wollte ich diesen Post fertig machen. Es geht um eine meiner absoluten Lieblingsreihen, die ich erst in diesem Jahr entdeckt und dann in einem Zug verschlungen habe. Diese Reihe ist es mir sogar wert, sie sowohl in der deutschen als auch englischen Fassung zu besitzen. In dieser allgemeinen Reihen-Rezension werde ich nicht spoilern, für keines der Bücher. Nur einfach ein wenig tiefer gehen, um einen genaueren Einblick in die düstere Welt der Grischa zu gewähren.

Worum geht es?

Alina ist Kartografin in der Ersten Armee des Zaren, die sich darauf vorbereitet gemeinsam mit einigen Grischa, den Magiern des Reiches Rawka, die Schattenflur zur überqueren – einen in völliger Dunkelheit liegenden Korridor, der das Land in zwei Teile teilt und von bösartigen Kreaturen bewohnt wird. Ebenfalls dabei ist Maljen, ein Fährtenleser und ihr bester Freund seit Kindertagen, in den sie heimlich verleibt ist. Doch Maljen ist ein Frauenheld und sie selbst so unscheinbar, dass sie sich nicht traut, zu ihren Gefühlen zu stehen. Als sie bei der Durchfahrt der Schattenflur angegriffen werden, rettet Alina Maljen das Leben, allerdings auf übernatürliche Weise. Die Grischa unter ihrem Anführer, dem Dunklen, werden auf sie aufmerksam und schicken sie weit nach Osten, um bei ihnen in die Lehre zu gehen.

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Wie war mein Eindruck?

Gestaltung: Zugegeben, ich finde die englischen Cover wirklich schön, aber die Deutschen haben es mir irgendwie ein bisschen mehr angetan. Die Wasserfarben sind einfach wahnsinn. Leider kann ich euch im Moment kein Foto von diesen Ausgaben bereitstellen. Nichtsdestotrotz wollte ich auch die englischen Ausgaben besitzen. Die kräftigen Farben schaffen Kontraste, die Motive sind wunderbar gewählt zur Handlung des jeweiligen Buchs. Die kleinen Spielerein setzen die schönsten Details, an denen man sich jedes Mal aufs neue festgucken kann. Streicht man über den Umschlag, kann man die Einkerbungen der Schrift spüren. Auch im Buchinneren kann die Reihe überzeugen – hübsche Verzierungen bei jedem neuen Kapitelbeginn!

“I like to have powerful enemies. Makes me feel important.” – Siege and Storm

Meinung | Handlung, Stil, Weltaufbau, Charaktere, Entwicklung: Das von Leigh Bardugo erschaffene Land Ravka, gespalten durch die Schattenflur, hat einen gewissen Charme vom Russischen. Ausdrücke, Landschaften, Beschreibungen – all das erinnert an ein längst vergangenes Zarenreich. Düster, rau und unglaublich schön. Während man im ersten Band noch durch Ravka reist, zusammen mit Alina den Kleinen und Großen Palast erkundet und die Schattenflur erlebt, so lernt man in den folgenden Bänden auch die eisige See, weit entfernte Länder kennen, andere Sitten und Traditionen. Man erhält Einblicke in Volksmärchen, die man auch separat genauer nachlesen kann.

Alina, am Anfang eine junge, unscheinbare Kartografin in der Ersten Armee des Zaren, beschreitet einen langen Weg durch die drei Bände. Zu Beginn überfordert von all den neuen Eindrücken und ihren Fähigkeiten, erlebt sie eine Entwicklung, die den Leser wunderbar unterhält. Sie hat Fehler und Kanten, sie liebt und lebt, sie denkt an die anderen Menschen, doch zugleich erlaubt sie sich egoistische Gedanken und Handlungen, die einfach nachvollziehbar sind. Sie möchte helfen, aber doch ihr Leben nicht von ihren Fähigkeiten und deren Aufgaben abhängig machen. Sie möchte ihr eigenes Leben bestimmen können. Mit der Zeit wandelt sich Alina zu einem starken Charakter, deren Entscheidungen manchmal ziemlich stark sind, manchmal aber auch Folgen mit sich ziehen. Sie hört auf, ein verliebtes Mädchen zu sein, und wird zu einer starken, jungen Frau, die darauf hofft, all dem ein Ende zu bereiten und irgendwann einmal all dem Trubel, dem Elend, entfliehen zu können.

Maljen, Alinas bester Freund und Fährtenleser in der Armee des Zaren, konnte bei mir leider nicht allzu viele Pluspunkte holen. Im ersten Band noch recht im Hintergrund, wird er ein ständiger Begleiter in den folgenden Bänden. Zwar durchlebt Mal verschiedene Veränderungen, doch sie wirken so unscheinbar. Er ist irgendwie immer der liebe Junge von Nebenan. Ihm hätten ein paar mehr Farben gut getan, ein wenig mehr Tiefe. Er ist zu brav, zu nett, ein wenig zu perfekt. Allerdings hat er im zweiten Band ein paar Pluspunkte einstecken können, denn dort wirkt er irgendwie menschlicher. Ich konnte ihn verstehen, ich konnte mit ihm fühlen. Doch leider war das im letzten Band dann auch schon wieder verblasst.

Der Dunkle, eine der wichtigsten Personen in der Reihe, ist die mächtigste Grischa in ganz Ravka. Anführer der Zweiten Armee des Zaren, befehligt er die Grischa, diejenigen mit magischen Kräften, und wacht über deren Ausbildung im Kleinen Palast in Ravka. War er im ersten Band noch oft zugegen, so kommt man in den Genuss seiner Anwesenheit in den folgenden Bänden nur noch selten. Das ist wirklich schade (und trotzdem ist Band Zwei mein Liebling, er hat dort echt guuute Auftritte!). Dennoch darf man sich freuen: In dritten Band erfährt man seinen wirklich Namen. Woah, ich hab davon noch immer Gänsehaut. Und es war auch der Name, auf den ich SO gehofft hatte. Doch auch der Dunkle durchlebt Entwicklungen, auf die man gespannt sein darf.

Im zweiten Band kommt ein weiterer Charakter hinzu, der einfach nicht unerwähnt bleiben darf. Ich nenne keinen Namen, keine Sorge. Nur ist er mein absoluter Liebling der Grischa-Reihe. Seine Charakterzüge sind absolut umwerfend, ich liebe sein Auftreten, seinen Witz und Charme. Und vor allem diesen unglaublich widerspenstigen Optimismus und Unbesonnenheit, die er ausstrahlt. Es scheint, er sei der Einzige, dem nichts erschüttern kann. Nur so viel sei gesagt: Im dritten Band wurde mein Herz ein wenig zerrissen. Es tut noch immer weh.

Die Nebencharakter dieser Welt, Genya, Bagrah, Zoya – ich könnt etliche weitere aufzählen -, sind einfach nur toll! Man erfährt kleine Hintergrundgeschichten, Teile, die sich langsam zu einem großen Bild zusammmensetzen. Sie sind liebevoll beschrieben und jeder hat seine eigene Aufgabe im Verlauf zu bewältigen.

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“When people say impossible, they usually mean improbable.” – Siege and Storm

Die Handlung in den Büchern dreht sich nicht nur um dieses Liebes-Hin-und-Her. Natürlich gibt es aber Kitsch und Liebequark in dieser Reihe. Und es gibt ein Liebes-äh .. Dreieck? Ich bin mir gerade nicht ganz sicher, da ich euch ungern spoilern möchte. Im ersten Band knistert es, diese Anziehung kann man zwischen den Seiten spüren. Im zweiten Band ist dort dieses Verlangen, die Sehnsucht und Suche nach Verständnis. Und im dritten Band – wer weiß! Im Laufe der Geschichte verdunkelt sich auch die Handlung. Während man am Anfang noch die Grundsteine zusammenklaubt, erlebt man im zweiten und dritten Band angespannte Auseinandersetzungen, nervenzermürbende Spuren nach der richtigen Fährte und schattenbedeckte Kämpfe mit schrecklich düsteren Kreaturen.

Wenn ich ehrlich bin, mochte ich den zweiten Band wirklich am liebsten (wahrscheinlich charakterabhängig). Band Eins mochte ich ebenfalls sehr gerne, die Einführung in die Welt war leicht und hatte das gewisse Etwas. Mit großer Sehnsucht habe ich auf den abschließenden Teil hingefiebert. Ich war wirklich so aufgeregt und hab mir alle mögliche Szenarien vorgestellt, wie dieser Reihe wohl enden wird. Und wurde bitter enttäuscht. Ich möchte hier keinen abschrecken, ich liebe diese Reihe. Daher möchte ich es kurz erklären: Es gab wirklich so viel Potenzial für den letzten Band, so gute Vorlagen, doch es wurde einfach in den Sand gesetzt. Früher habe ich mich über Leute aufgeregt, die den finalen Teil einer Reihe immer als derbe Enttäusch bemängelt haben wie beispielsweise „Allegiant“ der Divergent-Reihe. Macht euch doch nicht ins Hemd, hab ich mir gedacht. Doch – ich mach mir ins Hemd. Sogar sehr. Kauft es euch trotzdem, bildet eure eigene Meinung und genießt das Ende, Meinungen sind bei jedem zum Glück unterschiedlich. Ich hoffe, ihr liebt den Abschluss der Reihe – wenn nicht, genießt einfach die Geschichte auf ihrer Reise bis zum Ende.

“You might make me a better man.” – “And you might make me a monster.” – Ruin and Rising

Ich lege euch außerdem die kleinen Kurzgeschichten ans Herz. Drei von ihnen sind Volksmärchen aus der Grischa-Welt, die einfach unsagbar gut geschrieben sind für solch wenig Seiten. Eine Kurzgeschichte handelt auch von Genya, die ein paar tiefere Einblicke in ihre Absichten geben. Wie gesagt – ich habe die Reihe unglaublich genossen und könnte sie jederzeit wieder lesen. Absolute Leseempfehlung von mir!

#0.5 Die Hexe von Duva
#1 Grischa – Goldene Flammen
#1.5 The Tailor (Genya)
#2 Grischa – Eisige Wellen
#2.5 Der allzu schlaue Fuchs
#2.6 The Little Knife
#3 Grischa – Lodernde Schwingen

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