Anna Karenina von Leo Tolstoi | Rezension

Vor einem Jahr habe ich eine unglaubliche Lust verspürt, mich an dem berühmten Klassiker „Anna Karenina“ von Leo Tolstoi zu wagen. Nachdem ich die Neuverfilmung gesehen hatte, war mir klar: Das Buch muss ich lesen! Wenige Zeit später hat mir meine Mama das Buch geschenkt, ich habe es stolz und voller Vorfreude ins Regal verfrachtet und – dabei blieb es dann auch erst einmal.

Mit dem Start des neuen Jahres verspürte ich allerdings einen großen Motivationsschub, mich an diesen Wälzer zu wagen. Innerhalb von zehn Tagen verschlang ich „Anna Karenina“, dessen 1200 Seiten sich in acht Teile untergliedern. Da ich vorher einige Rezension gelesen hatte, war ich nicht überrascht, wie wenig Anna Karenina eigentlich in diesem Buch steckt, das „Anna Karenina“ heißt. In diesem Werk existieren drei Hauptstränge: die Geschichte von Anna, ihre Ehe mit Karenin und Affäre mit Graf Wronskji, die Geschichte Stiwas, seine finanzielle und familiäre Lage, sowie die Geschichte von Lewin und Kitty.

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Worum geht es?

Dieser erste Satz dieser umfassenden Geschichte, habe ich zu Beginn des Buch zu verstehen geglaubt, doch erst jetzt, nach dem Beenden, voll und ganz nachvollziehen und aus einem anderen Blickwinkel verstehen können. Es gibt Anna, eine feine Dame der Oberschicht von St. Petersburg, verheiratet mit Karenin, Mutter eines Sohnes, die sich verliebt in Graf Wronskji. Stiwa, der Bruder von Anna, wohnt in Moskau zusammen mit seiner Frau Dolly und seinen Kindern, der eine Neigung für bedeutungslosen Affären hat. Und Lewin, eine Freund der Familie von Dolly, wohnhaft auf dem Land, der sich unglücklich in die Kitty, die Schwester von Dolly, verliebt hat.

Wie war mein Eindruck?

Während ich die Handlungen um Anna sehr genossen habe und die Seiten nur so geflogen sind, haben sich die Kapitel um Lewin gezogen – vor allem, wenn diese Kapitel nicht mit Kittys Anwesenheit gefüllt waren. Seine Gedankengänge haben sich meist über Seiten erstreckt, die dann noch abschweifen und er in Selbstmitleid versinkt. Im Gegensatz dazu waren die restlichen Kapitel weniger anstrengend.

Die Geschichte von Lewin und Kitty nimmt einen ebenso großen Anteil des Buches ein – wenn nicht sogar ein wenig mehr – als die von Anna, Karenin und Wronskji. Stiwas Part schlüpft gelegentlich, recht leicht, dazwischen, oder ist verwoben mit Annas oder Lewins Schicksal. Besonders glänzen konnten die Verbindungen der Charaktere untereinander. Sie geben sich Ratschläge, Halt, und schufen ein Gleichgewicht untereinander. Ich habe die komplexe Handlung sehr genossen, die langsame Entwicklung der Charaktere und deren Verhalten. Nach und nach hat sich das Gesamtbild verschoben und sich zu etwas Neuem entwickelt. Die Entwicklung der jeweiligen Personen an sich war dabei sehr grandios: allein schon Anna, die von der liebreizenden, strahlenden Frau, zu einer verzweifelten, eifersüchtigen Ehebrecherin wird.

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Die Sprache an sich war – entgegen meiner Befürchtungen – gut verständlich. Ich mochte die aufkeimenden Gefühle, die verbotene Affäre, die pure Verzweiflung und Eifersucht, die gegen Ende stetig ansteigt und Leben verschlingt. Ein wahres Monster offenbart sich. Ich mochte die zarte, beinahe schüchterne Liebe, das Aufgeben und Hoffen sowie die Komplexität des Themas Verzeihen, Vergeben und Ignorieren. Am Ende habe ich mich gefragt, wo nur all die Seiten geblieben sind. Und ich muss sagen, die Fülle hat perfekt gepasst.

Ein wenig mehr Anna, ein wenig weniger Lewin und es wäre in meinen Augen perfekt. Dennoch: Alles in allem hat Tolstoi ein Meisterwerk geschaffen, das mich ganz und gar begeistern konnte. Und ein wenig werden mir die Charaktere fehlen.

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3 thoughts on “Anna Karenina von Leo Tolstoi | Rezension

  1. Hallo! Da ist sie also, die Rezension zu meinem Lieblingsbuch. Wie ich schon bei deinem anderen Blogpost schrieb, habe ich es immer wieder gelesen, manchmal auch nur Teile davon, und finde gerade die Charakterentwicklung mitreißend und faszinierend. Ich kann gut verstehen, was du meinst mit „weniger Lewin, mehr Anna“, denn beim ersten Lesen hatte ich auch manchmal das Gefühl, was sollen all die Ausführungen Lewins über die Landwirtschaft und die Politik. Doch am Ende hat es perfekt gepasst und mit mehr Anna wäre es nicht das gleiche Buch gewesen und m.E. auch nicht so gut. Ihre (Ehe-)Geschichte funktioniert nur vor den beiden anderen (Ehe-)Geschichten, sie brauchen einander. Mir gefällt auch besonders gut die Entwicklung, die Kitty durchlebt, von einem jungen, naiven Mädchen wird sie zu einer selbstbewussten Frau… Ach ja, jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht ins Schwärmen gerate! Liebe Grüße und vielen Dank für deine Eindrücke! Mathilda

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