Das dänische Mädchen von David Ebershoff | Rezension

Seit ich den Trailer zu „Das dänische Mädchen“ gesehen habe, war mir klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Noch bevor ich mir den Film ansehe, wollte ich die Grundlage zu der Geschichte gelesen haben. Und gesagt, getan. Das dänische Mädchen von David Ebershoff hat mich zugleich begeistert als auch verstört zurückgelassen. Ich möchte hier hervorheben, dass ich als blutiger Leseanfänger an ein solches Thema herangehe und entschuldige mich für eventuell schlecht gewählte Formulierungen bzw. unzureichendes Wissen.

Worum geht es?

Kopenhagen 1925. Der dänische Landschaftsmaler Einar Wegener führt mit seiner Frau Greta, ebenfalls eine Malerin, ein bewegtes Künstlerleben und eine glückliche Ehe. Bis Greta ihren Mann bittet, in Frauenkleidern für sie Modell zu stehen: Einar verwandelt sich in „Lili“, und schon bald ist seine Rolle als Frau mehr als nur ein Spiel. Schließlich steht Greta vor der Frage, was man tut, wenn der Mensch, den man liebt, plötzlich ein ganz anderer ist.Goldmann Verlag

Ds dänische Mädchen Buch Rezension David Ebershoff

Das dänische Mädchen | David Ebershoff
385 Seiten • Taschenbuch • Goldmann Verlag

Wie war mein Eindruck?

Zugegeben, ich hatte irgendwie nur den Anfangspunkt im Sinn und wusste nicht, zu welchem Ergebnis mich die Geschichte leiten würde. Die Handlung spielt in der Zeit von 1925 bis 1931. Es war mir nur bekannt, dass es sich in dem Buch um Einar Wegener und seine Frau Greta handelt, die beide als Künstler in Kopenhagen praktizieren. Aus einem anfangs witzigen Spiel ist harte Reatlität geworden: Einar Wegener ist Mann und Frau zugleich. An manchen Tagen ist er Lili, an manchen ein verlorener Einar.

Zugegeben, ich habe das Buch etwas anders erwartet. Gleich zu Anfang wird man direkt in das Geschehen hineingeworfen, indem Greta ihren Mann Einar um Hilfe bitte, für sie in Frauenkleider Modell zu stehen. Ab diesem Zeitpunkt tritt Lili in das Leben des Ehepaars. Es ist ein Spiel, andere an der Nase herumzuführen. Doch für Einar ist Lili längst in seinem Bewusstsein erwacht und verankert. Es lässt ihn nicht mehr los. Ich hätte mir gerade an dieser Stelle etwas mehr Hinführung zu Einar und seinen Gedanken gewünscht. Für mich war es anfangs schwer hinzunehmen, dass Lili so „einfach“ in das Leben von Greta und Einar gelassen wird.

Versteht mich nicht falsch, aber zu der damaligen war solch ein Verhalten nicht „normal“ bzw. bekannt, sodass es mit Sicherheit verschiedene Emotionen in beiden Personen hervorgerufen haben könnte, die mir nicht ersichtlich wurden. Es hat mir einfach etwas gefehlt an dieser Stelle. Auch dass sich Einar mehr oder weniger an Lili erinnert, aber Lili so gut wie kaum an Einar, war mir etwas befremdlich. Es ist, als ob wirklich zwei verschiedene Persönlichkeiten interagieren, ohne einander direkt zu kennen oder die wirklich Bedeutung zu verstehen. Mit diesem Punkt hatte ich einige Zeit zu knabbern, allerdings lockert er sich im Verlauf der Geschichte für mich, da man schon mehr in das Thema involviert ist.

Doch das zu dem Negativen. Vor allem die Charaktere haben es mir angetan. Greta hat mein Herz berührt. Sie ist eine unfassbar starke und auch mutige Frau, gerade wenn man die Zeit der Handlung im Sinn hat. Trotz der Tatsache, dass ihr Mann Einar immer mehr den Wunsch nach Lili verspürt, gibt sie alles, um ihn zu unterstützen. Einar ist zutiefst bedrückt. Man merkt ihm die seelische Belastung an, den Zwiespalt und die Sehnsucht nach etwas, was doch so vollkommen falsch  erscheint. Und man spürt die Liebe der beiden zueinander auf jeder Seite, auch wenn sie nicht einfach Ehemann und -frau füreinander sind. Sie sind füreinander da und beschützen sich gegenseitig. Sie respektieren sich. Und das ist wunderbar dargestellt und beschrieben. Doch nicht nur Einar, Lili und Greta sind tolle Charaktere – auch Hans, Charlisle und Anna mochte ich jedes Mal ein Stückchen mehr.

“Einar felt lonely, and he wondered if anybody in the world would ever know him.” – David Ebershoff

Die Handlung des Buches ist an mancher Stelle etwas langatmig, gerade bei Beschreibungen von Pasadena. Da die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruhrt, verstehe ich nicht, warum der Autor sich beispielsweise bei Gretas Namen oder Herkunft nicht daran gehalten hat wie bei Lilis Namen oder Werdegang. So wirkte es manchmal etwas ermüdend. Zum Teil empfand ich das Buch abschreckend, besonders ab dem mittleren Teil. Hier bekommt man Einblicke zu der damaligen Haltung gegenüber Homosexuellen und stempelte Intersexualität als auch Transsexualität als etwas Unnatürliches, Widerliches und Falsches dar. Man erfährt von den verschiedensten Ärzten und Heilmethoden, das war furchtbar. Das Ende des Buchs war zwar offen, allerdings kann man als Leser erahnen, welche Richtung es einschlägt. Meiner Meinung nach war es der richtige Punkt, die Geschichte zu beenden.

Gesamt betrachtet ist das Buch unglaublich bewegend und traurig zugleich. Direkt nach dem Beenden habe ich mich an die Recherche zu der wahren Geschichte gemacht, was über das Buch hinaus sehr interessant ist. Nun bin ich schon wahnsinnig neugierig auf die Verfilmung und die Umsetzung der einzelnen Personen und Szenen.

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4 Gedanken zu “Das dänische Mädchen von David Ebershoff | Rezension

  1. Merowinger schreibt:

    Schön geschrieben! Das Buch steht auch auf meiner Wunschliste. Den Film werde ich mir allein schon wegen Vikander ansehen die absolut umwerfend finde.

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