Wie ich den Master wechselte | Leben

Seit einigen Monaten gab es keine privateren Beiträge von mir und das hatte einen Grund. Schon seit längerer Zeit brennt mir etwas auf der Seele, wofür ich erst keine Wort fand und mit dem ich ziemlich überfordert war. Das leidige Thema heißt Studium. Oder eher: Der Master, der einfach nicht zu mir passte.

Diese Erkenntnis hat ein Semester gebraucht. Erst jetzt ein paar Monaten danach und mit Abstand auf dieses mehr als chaotische Semester stelle ich fest, wie fertig ich damals eigentlich wirklich war. Wie dreckig es mir ging. In der Zeit habe ich mein Leben irgendwie schleifen lassen.

Ein Semester durch den Master gequält, nun die Entscheidung: Wechsel!

Im Nachhinein waren es verschiedene Punkte, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben: Wechsel von Hochschule zur Uni, Bachelor zum Master, falsche Spezialisierung und somit einhergehend uninteressante Seminare, Theorie statt Praxis sowie frustrierte, jammernde Freunde.

Die Spezialisierung war leider eine Fehlentscheidung. Es war zwar alles interessant, jedoch hat es mich nicht interessiert. Der Master war sehr auf die pädagogische Richtung ausgelegt. Ich wollte mehr in die wirtschaftliche gehen. Wirtschaftliche Studiengänge konnte ich aufgrund von fehlenden CP’s nur leider nicht belegen. Obwohl ich das vorher wusste, dachte ich, „das wird schon“.

Tjanun, wurde es nicht.

Ich fühlte mich nicht wohl. Ich vermisste die Hochschule und die praxisrelevanten Seminare und Projekte. Mir fehlte die „Ruhe“. Die solide Klassenrunde an Kommilitonen. Das Denken. Himmel hilf, es wurde so viel in den Seminaren diskutiert und um den heißen Brei geredet – raus kam dabei meistens nicht viel. Es gab aber noch einige andere gravierende Faktoren, die mich unglücklich machten, aber auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.

Die Uni war einfach nichts für mich, mir fehlte das Hochschulefeeling.

Mitte Mai kam ich eines Nachmittages nach Hause, setzte mich an den Schreibtisch und starrte stumm auf den Bildschirm meines Laptops. Als mein Freund fragte, was los sei, fing ich an zu weinen. Die ganzen Gefühle der letzten Wochen überschwemmten mich einfach. Die Überforderung, das Gefühl zu versagen, das Gefühl unheimlich dumm zu sein und nichts auf die Reihe zu bekommen.

An diesem Tag äußerte ich das erste Mal die Erwägung, den Studiengang zu wechseln.

Jetzt im Oktober beginne ich einen neuen Master, in einer anderen Stadt mit der gewünschten Spezialisierung. Für mich bedeutet das nun tägliches Pendeln, aber es fühlt sich irgendwie richtig an. Anders. Besser.

Natürlich hatte ich unheimlichen Bammel davor, es meiner Familie zu sagen. Aber dennoch war mir bewusst, dass es ganz allein meine Entscheidung ist. Ich würde es ihnen mitteilen und auf Verständnis hoffen, sie aber nicht um Erlaubnis fragen. Denn dieser Wechsel betrifft nur mich und meine Zukunft. (Sie waren übrigens sehr gelassen und haben mich  unterstützt – ich hatte mir anfangs schon ein paar Alternativen zurechtgelegt, um den Abbruch nicht unüberlegt erscheinen zu lassen.)

Mit der Studiumswahl muss man selbst glücklich sein, nicht die Eltern.

Ich weiß auch nicht direkt, was ich mit diesem Beitrag sagen wollte, nur – macht, was euch glücklich macht. Es geht nur um euch und eure Zukunft. Wenn ihr einen Abbruch oder Wechsel in Betracht zieht, denkt immer daran: Ihr müsst in diesem Beruf noch so viele Jahrzehnte arbeiten. Ihr quält euch nicht drei Jahre durchs Studium, sondern euer Leben durch einen Beruf, der euch keinen Spaß macht.

In diesem Sinne hoffe ich, dass das kommende Semester tausend Mal besser verläuft als das letzte. In naher Zukunft wird es nun auch wieder andere Beitragsarten von mir geben – von meinen Reiseerlebnisse, Alltagseindrücken und sonstigen Tratsch, der mir auf der Seele baumelt.

Ich hoffe, euch geht es gut. 🙂

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4 Gedanken zu “Wie ich den Master wechselte | Leben

  1. nihaojulia schreibt:

    Ich finde es schwer „zu machen was mich glücklich macht“. Mein Master geht in die richtige Richtung, aber nur zu 50%. Das Studium macht mich im Moment nicht glücklich, aber der Abschluss auf langer Sicht schon. (Wie gesagt, die 50% sind sehr hilfreich. Meiner Meinung nach findet man nie ein Studiengang der zu 100% passt.) Weinen, Überforderung, Angst zu versagen wie bei dir kenn ich nur zu gut. Aber wie soll ich JETZT glücklich sein? Zähne zusammen beißen und durchhalten? Wir reden hier von ca. 2 Jahren fast durchgehende Arbeit ohne richtiges Wochenende und Ferien schon garnicht… Ich will studieren. Manchmal ist es nur so furchtbar hart.

    • 3millionen schreibt:

      Da stimme ich dir zu. Ein Studium zu finden, dass in jeglichen Punkten passt, ist schwer und selten. Manche haben Glück und sind super zufrieden. Bei mir war es lediglich ein Kurs, der mich interessiert hat und alle anderen einfach nicht mit dem übereingestimmt haben, was ich auf lange Sicht machen möchte. Darf ich fragen, was du studierst? 🙂 Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die nächsten zwei Jahre und ich bin mir sicher, du schaffst sie, auch wenn es hart wird!

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