Die Lügen des Locke Lamora von Scott Lynch | Rezension

Worum geht’s?

Im Stadtstaat Camorr hat man eine ganz eigene Lösung gefunden, um die Kriminalität unter Kontrolle zu halten: den „Geheimen Frieden“. Doch Locke Lamora und seine Gentlemen-Ganoven halten nicht viel von Absprachen und haben es sich zur Gewohnheit gemacht, die Reichen der Stadt um ihr Geld zu erleichtern. Das funktioniert wunderbar, bis der geheimnisvolle Graue König die Macht über die Unterwelt an sich reißt und droht, das sensible Herrschaftsgefüge von Camorr aus dem Gleichgewicht zu bringen – und dazu braucht er Lockes einzigartige Fähigkeiten. – Heyne Verlag

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Die Lügen des Locke Lamora #1 | Scott Lynch
847 Seiten • Taschenbuch  • Heyne Verlag

Wie war mein Eindruck?

Je höher die Erwartungen sind, desto enttäuschter ist man, wenn diese nicht ganz erfüllt werden. Auf diesen epischen High-Fantasy Auftakt der Gentleman Bastard-Reihe war ich mehr als gespannt – ich war aufgeregt und freute mich auf ein atemberaubendes Abenteuer. Tja, nun, so ganz habe ich das nicht bekommen.

Locke Lamora, Meisterdieb von Camorr, und seine Gentleman Ganoven sind ein Herz und eine Seele. Sie erfüllen jegliche Squad Goals: sie sind loyal und immer für einander da, helfen sich gegenseitig aus der Patsche und treiben ihren Unsinn auf den Straßen. Ich habe sie wirklich sehr ins Herz geschlossen, denn jeder wird etwas näher beleuchtet und bekommt eine gewisse Tiefe. Auch die Nebencharaktere wurden liebevoll und sorgfältig geformt, dazu stimmig mit dem Worldbuilding mit Eigenschaften versehen.

Die Handlungen bilden eine Geflecht aus Vergangenheit und Gegenwart. Man erfährt die Geschichte von den Gentleman Ganoven und erlebt zugleich das aktuelle Abenteuer der nun erwachsenen Diebesbande. Obwohl ich solche Zeitsprünge immer verwirrend finde, so waren sie hier sehr angenehm eingearbeitet und auch ausgewogen verteilt. Sie unterstreichen viel mehr die aktuellen Beweggründe und formen zugleich die Charaktere. Manche Geschehnisse werden auch noch einmal später aufgegriffen, was einen schönen Bogen ergeben hat.

We’re a different sort of thief here, Lamora. Deception and misdirection are our tools. We don’t believe in hard work when a false face and a good line of bullshit can do so much more. – Scott Lynch

Ein Abenteuer leitet die Geschichte ein, ehe ein Konflikt ausgelöst wird und man sich direkt im nächsten befindet, ohne das vorherige abgeschlossen zu haben. Sie laufen quasi parallel. Manchmal hat mir ein zeitlicher Überblick gefehlt, da es schwer einzuschätzen ist, wie viele Tage vergangen waren. Kleine und größere Plottwists versuchen die Geschichte und Spannung am Laufen zu halten. Leider konnten mich die meisten aber nicht vom Hocker reißen, obwohl sie echt gut waren. Warum?

Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten. Das vermiest einem die Spannung, wenn ein wichtiger Moment langweilig dahinter geschrieben ist. Das kann an manchen Stellen ermüdend werden, sodass man gewisse Abschnitte mehr überfliegt, als sie zu lesen. Spannende Kämpfe haben mir nur ein Gähnen abgewonnen, da sie mir andererseits zu gefüllt bzw. ausschweifend waren. Es hat Pfiff gefehlt, um bei diesen Szenen am Ball zu bleiben. Schade, das hat einiges an Lesefreude genommen! Auch das Worldbuilding war einfach zu detailliert beschrieben, obwohl es gut ausgearbeitet war. Manche Dialoge wirkten steif und erzwungen.

Dennoch werde ich die Gentleman Ganoven weiterverfolgen, denn ihr Abenteuer war trotz des Stils sehr komplex und gut durchdacht. Außerdem ist mir Locke sehr ans Herz gewachsen und ich möchte wissen, wie es mit ihm weitergeht.


3.75 / 5

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