Legacy of Kings von Eleanor Herman | Rezension

Worum geht’s?

Ein Retelling über den jungen Alexander dem Großen, angehaucht mit leichten Magielementen.

Legacy of Kings ist ein historischer Fantasyroman, der die Geschichte von Alexander dem Großen erzählt.

Legacy of Kings #1 | Eleanor Herman
450 Seiten • Hardcover • Harlequin Teen

Wie war mein Eindruck?

Alexander der Große hat mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Ich habe Bücher und Dokus und Filme über seine Person inhaliert. Meine Vorfreude auf dieses Buch war kaum in Worte zu fassen. Die Grundidee klingt unheimlich gut, die Umsetzung war enttäuschend und miserabel.

Lasst es mich erklären.

Das Buch erzählt aus der Sicht von sieben verschiedenen Charakteren, darunter Alexander selbst, sein bester Freund Hephaistion, seine Halbschwester Cyn sowie die zugedichtete Kat. Es gibt noch ein paar weitere, deren Sinn sich mir aber nicht erschlossen hat. Warum gibt es die Sicht von Zo und Jacob? Welchen Zweck erfüllen sie in diesem Buch? Keinen. Die Perspektiven mögen zwar für den zweiten Teil von Bedeutung sein und darauf vorbereiten, aber das hätte sich die Autorin auch klemmen und direkt im nächsten Teil unterbringen können.

Hinzu kommt, dass die einzelnen Perspektiven nichts aufweisen, was sie besonders macht und auszeichnet. Die Charaktere sind sehr oberflächlich beschrieben und man weiß bis auf das Offensichtliche nichts über sie. Darüber hinaus führen die einzelnen Charaktere in ihren Kapiteln ellenlange Monologe über ihre Absichten und Ziele. Die immer und immer wieder in späteren Kapitel erklärt werden. Man möchte meinen, irgendwann hat man es auch verstanden. Die Autorin baut nicht auf dem Prinzip „show, don’t tell“, sondern erzählt und beschreibt und schweift aus und … irgendwann überfliegt man nur noch.

Natürlich treffen die Personen irgendwann aufeinander. Es gibt dieses „Blood Tournament“, das zusammen mit Jacob und Kat einen auf „Hunger Games“ macht. Die einzelnen Beziehungen, die sich entwickeln, gründen auf nichts als Luft. Es ist instalove vom Feinsten. Am Ende entstehen Gefühle zwischen Personen, die gut drei Viertel des Buches überhaupt nichts miteinander zu tun hatten. Wie kann das sein?

Zitate von Aristoteles schmücken die einzelnen Teile aus Legacy of Kings.

Ein anderer Kritikpunkt sind die geschichtlichen Aspekte. Ich möchte mich bei manchen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen (eine Historikerin bin ich weißgott nicht), aber umso enttäuschender ist es, das einige Elemente selbst mir die Haare zu Berge stehen lassen. Zum Beispiel gibt es einen Makedonier namens Jacob. Hm. Im 4. Jahrhundert v. Chr. einen Makedonier mit jüdischen Namen? Eine griechische Abwandlung hätte es getan. Namenskürzel wurden verwendet, aus Alexander wurde „Alex“, aus Katerina „Kat“ und aus Hephaistion „Heph“. Ebenso war die Sprache sehr modern. Das alles zusammengefasst wirkte überhaupt nicht authentisch für diese Zeit und hat mir persönlich den Spaß genommen.

In Bezug auf den geschichtlichen Kontext wurde nicht einmal ansatzweise (!) auf Alexanders Queerness eingegangen. Der Vergleich zu Achilles und Patroklos wurde zwar eingearbeitet, Alexander blieb aber ein stinknormaler, heterosexueller Charakter. Genauso wie Hephaistion. Das hat mir übel aufgestoßen. Auch wenn es noch seine Jugendzeit ist und auch wenn es ein Jugendbuch ist, warum kann man nicht einmal Andeutungen einflechten?

Im Allgemeinen bietet die Handlung keinerlei spannende Höhepunkte. Sie tritt öfters auf der Stelle und ist sehr, sehr langgezogen und langweilig. Im Grund passiert bis auf die letzten 50 Seiten nichts. Der „aufregende“ Schreibstil hilft da auch nicht viel weiter. Das Magiesystem wurde kurz bis gar nicht erklärt, wie sie entstanden, was es wirklich mit ihr auf sich hat – es wurde einfach so behauptet und punkt. Die Plottwists sind mehr als vorhersehbar und ließen mich mit einem gekonnten Augenrollen zurück.

Kurzum: wer Alexander den Großen liebt, bloß nicht dieses Buch lesen.


2/5

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5 Gedanken zu “Legacy of Kings von Eleanor Herman | Rezension

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