Aus Jugendbüchern herausgewachsen? | Leben

In letzter Zeit hat sich diese Frage häufiger in meine Gedanken geschlichen, als mir lieb ist. Das Jahr hat für mich nicht unbedingt mit Glanzparaden im Jugendbuchbereich begonnen. Ich war enttäuscht von großen Namen und wenn ich ehrlich bin, lief das schon seit einiger Zeit so.

Wenn ich nun in mein Regal blicke, habe ich Angst vor weiteren Enttäuschungen. Ich blicke Illuminae (Jay Kristoff, Amy Kaufman), Rebel of Sands (Alwyn Hamilton), Three Dark Crowns (Kendra Blake) und auch The Name of the Star (Maureen Johnson) an und platze fast vor Zweifeln.

Am liebsten möchte ich diesen Haufen Zweifel unter die Couch fegen und da vergammeln lassen. Aber immer öfter haben sie sich in letzter Zeit einfach bestätigt. Instalove hier, heißer Typ da, null Charaktertiefe, null Spannungsbogen, voraussehbare Plottwists, nicht nachvollziehbare Entscheidungen, problematische Darstellungen … es macht einfach keinen Spaß mehr, immer und immer wieder die alte Leier zu lesen, nur mit anderen Namen.

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Natürlich gab es solche Diskussionen schon in Mengen und überall, nur habe ich mich nie wirklich betroffen gefühlt. Ich habe die Kritikpunkte nachvollziehen können, aber zugleich darüber „hinweggelesen“, weil mir die Geschichten dennoch Spaß brachten. Jetzt machen sie mich eher traurig und wütend, weil in meinem Kopf etwas ist, das sich immer mehr in den Vordergrund drängt und das alles überhaupt nicht mehr unterhaltsam findet.

Und dann lese ich Romane (ich bin in diesem Genre noch so neu, ich weiß nicht einmal, wie es heißt) wie Ein wenig Leben, Vincent und Spinner und denke, im Moment spinne ich selbst langsam ein wenig. Seit wann finde ich solche erwachsenere Literatur besser? Seit wann freue ich mich auf Autoren wie Zadie Smith, Anthony McCarten und Emma Cline? Ist es die Komplexität? Das geforderte, eigene Nachdenken? Oder einfach, weil ich einfach nicht weiß, was ich erwarten soll und ich mich selbst überraschen lasse mit frischem Wind in den Seiten?

Ich war bisher nie der Freund von solchen Romanen, da sie mir teilweise zu ernst waren, teilweise die Hinarbeit zu dem Problempunkt zu lang empfunden habe. Kapitel über Charaktere, versteckte Botschaften und raffinierte Handlungen. Und nun finde ich das toll?

Im Prinzip weiß ich gerade selbst nicht, was ich genau ausdrücken will. Nur bin ich gerade in einer furchtbaren Situation, einfach keine (gehypten) Jugendbücher mehr lesen zu wollen. Also nicht komplett, aber etwa 90% davon nicht. Wobei daran gar nichts furchtbares ist. Vielleicht sehe ich das in einem Monat schon wieder ganz anders und finde alle Jugendbücher, die ich lese, wieder unterhaltsam.

Das Erkunden des anderen Literaturbereichs genieße ich gerade umso mehr. Immer wieder stoße ich auf Klappentexte und denke mir: Oh, sowas hab ich noch gar nicht gelesen! Wie kommt man nur darauf? Und ich bin verzaubert von all den tollen Werken, die es dort draußen gibt.


Habt ihr so eine Situation (oder ähnlich) auch schon erlebt?

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17 thoughts on “Aus Jugendbüchern herausgewachsen? | Leben

  1. Huhu!
    Ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich so eine Phase grad kürzlich erlebt hätte. Wahrscheinlich liegt diese bei mir weiter zurück, aber für mich hört es sich einfach „normal“ an, dass man irgendwann aus der Jugendliteratur heraus wächst und sich anderen Themen widmet. Was nicht heissen will, dass man nicht zwischendurch trotzdem ein Jugendbuch lesen und es geniessen kann. Das eine schliesst das andere ja nicht aus.
    Aber so wie sich die Themen in deinem Leben verändern, so verändert sich wohl auch einfach das Interesse und die Vorlieben in der Literatur.
    Also, wie du schreibst, geniesse einfach die neu entdeckten Bücher und Themen und lass dich von ihnen inspirieren und berauschen! 🙂
    Hab einen schönen Sonntag!
    Nela

    1. Irgendwann habe ich damit auch gerechnet, nur nicht so plötzlich 🙂 Hin und wieder ein Jugendbuch wird es mit Sicherheit geben, vielleicht selektiere ich da vorher nur noch etwas besser.
      Ich wünsch dir eine wunderbare Restwoche 🙂

  2. Ich muss sagen, dass mein Verhältnis zu den (gehypten) Jugendbüchern schon mit 14/15 zerbrach. Damals entdeckte ich die Welt der Klassiker für mich und begann Thomas Mann und Jane Austen zu lesen. Es war das großartigste für mich die Reichhaltigkeit dieser alten Sprache und Ausdrucksweisen zu entdecken.
    Mein Eindruck war damals, dass sich eine Dystopie mit Dreieicksbeziehung nach der anderen in den Regalen meiner Buchhandlung stapelten und ich gar keine Lust darauf hatte. Mittlerweile bin ich etwas zu den Jugendbüchern zurückgekommen. Man kann keinesfalls per se sagen, sie seien anspruchslos(er) als Werke für „Erwachsene“ oder ähnliches, was ich häufiger mal höre. Das ist totaler Blödsinn.
    Für mich macht es die Mischung: Mal lese ich den total romantischen Schundroman, dann Jugendromane, schließlich einen Klassiker. Es hat sich gezeigt, dass immer aus derselben Kategorie zu lesen irgendwann langweilig wird für mich – mein Geschmack entwickelt sich einfach. Mein Anspruch an Bücher ist, dass sie mich berreichern, amüsieren und inspirieren sollen – das kann man in jeder Sparte finden.
    Vielleicht solltest du mal etwas ausprobieren zu lesen, was du sonst nicht lesen würdest, den Geschmack erweitern. Oder um es mit Shakespeare zu sagen: „Was einem in der Jugend schmeckt, kann man im Alter nicht mehr riechen.“

    Alles Liebe

    1. Wow, so früh schon Klassiker für sich zu entdecken finde ich großartig! 🙂
      Anspruchsloser sind sie nicht, da stimme ich dir zu. Es ist halt auch eine andere Zielgruppe. Aber eben diese Häufungen der Klischees haben jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht (hab wohl etwas länger durchgehalten :D).
      Im Moment probiere ich wirklich ein wenig hin und her und bin ganz begeistert. Krimis, Klassiker und Fantasy habe ich schon vorher gerne dazwischen gelesen.
      Liebe Grüße! 🙂

  3. Ich teile diese Gedanken, aber generell bin ich eine „Phasenleserin“. Manchmal habe ich einfach nur Lust auf ernste Themen, dann auf englischsprachige Literatur, Klassiker und manchmal, aber immer seltener werden, Jugendbücher. Wahrscheinlich ist es wirklich ganz einfach normal, der eigene Fokus ändert sich, man beschäftigt sich mit anderen Dingen… und irgendwie ist das auch voll ok. Lies einfach, worauf du Lust hast, damit wirst du von ganz alleine deine Richtung bzw. Mischung finden (:

    1. Danke für deine Meinung dazu 🙂 Phasenleserin klingt gut! Werde jetzt auch einmal durch alle Möglichkeiten hüpfen und schauen, worauf ich Laune habe.
      Alles Liebe! 🙂

  4. Huhu,

    vorab: Ich kenne keins deiner Bücher und auch meine Situation ist etwas anders, aber auch ich merke gerade eine Veränderung in meiner Leswelt.

    Ich habe früher ganz, ganz, ganz viel Fantasy gelesen. Fast nur. Mittlerweile reizt mich da nicht mehr wirklich viel. Oder eher gesagt, es war in den letzten Jahren so. Gerade gibt es wieder etwas mehr, was mich reizt.

    Aber ich merke schon, dass ich mittlerweile auch viel Romane ohne Fantasy lese.

    Aber nicht nur das. Ich merke auch, dass ich bei einigen Büchern nicht mehr so viel Fantay hintereinander lesen kann. Manchmal brauche ich einfach andere Bücher dazwischen.

    Und ich merke auch, dass mir immer mehr Erwachsene Bücher reizen können. Früher fand ich die meist zu spießig oder langweilig, aber mittlerweile gibts doch auch einige, die mir wirklich gut gefallen.

    Jugendbücher lese ich zwar immer noch und gerade auch vermehrt, aber was ich nicht so mag sind die Bücher, die schon wieder zu jugendlich sind. Ganz dramatische Teenieprobleme wie ein Pickel zum Beispiel oder die Unsicherheit vieler Teeniecharaktere, obwohl gar kein Problem da ist und sie sich nur selbst im Weg stehen. Oder einfach ganz dramatische Probleme (die sich meistens auch noch extrem häufen), obwohl sie eigentlich ganz banal gelöst werden könnte. Aber da wird ein riesen Drama raus gemacht. Oder alberne Charaktere, die die ganze Zeit nur kichern, weil sie Typen kennen lernen. Genauso wie in Teeniebüchern Freunde offenbar gerne „Boyfriend“ genannt wird. Teenies, die total cool wirken wollen und sich deswegen verstellen …

    Und, und, und. Da gibts noch viel mehr Beispiele. Es gibt durchaus Teeniebücher wo die Charaktere sehr erwachsen oder zumindest irgendwie reif wirken und nicht so anstrengend ist, aber dieses typisch teeniehafte Verhalten. Darüber bin ich weit hinaus und damit kann ich nicht mehr viel anfangen.

    In so fern merke ich auch in meinem Leseverhalten Veränderungen und kann deine Punkte sehr gut verstehen.

    LG Corly

    1. Du hast es perfekt zusammengefasst, würde ich sagen. Genauso geht es mir auch. Früher empfand ich andere Genre als anstrengend, aber inzwischen sind Pausen von der eigenen Wohlfühlzone notwendig, um einmal frischen Wind zu schnuppern. 🙂
      Alles Liebe!

      1. Huhu,

        schön, dass du es so siehst. Ja, das geht mir auch so mit den Pausen. Der Geschmack verändert sich halt auch.

        LG Corly

  5. Dein Post ist ja nun schon einen Monat alt, aber da ich ihn gerade eben erst entdeckt habe, möchte ich trotzdem gerne etwas dazu schreiben. Weil du mir so aus der Seele sprichst und weil ich mich wiederfinde in deinen Worten.
    In letzter Zeit geht es mir auch ganz oft so wie dir – wobei, nicht mal nur seit letzter Zeit, bestimmt schon seit einem Jahr. Ich bin erst 21, die Protagonisten also meist nicht einmal besonders weit von mir weg, und doch kann ich mit den Gedanken, Wünschen und der ganzen Art und Weise oftmals nichts mehr anfangen. Wie du schon sagst, das ist alles oft so platt, so ohne jegliche Tiefe. Ich habe irgendwie auch das Gefühl, dass der Kitsch und die Instalove in Jugendbüchern wieder zugenommen haben und beides hasse ich abgrundtief. Und immer dieses Problem der verbotenen Liebe, da kann ich ja nur mit den Augen rollen. „Der Kuss der Lüge“ beispielsweise hat mich letzten Monat wahnsinnig gemacht, wird aber von vielen abgöttisch geliebt. Kann ich nicht verstehen.
    Mittlerweile habe ich mich schon stärker auf High Fantasy und Thriller verlagert, weil die oft nicht von so naiven, charakterlosen Personen bevölkert werden. Daher denke ich, ist es ja auch für dich schön, dass du mit der Erwachsenenliteratur etwas gefunden hast, das dir momentan so viel mehr Spaß bereitet als Jugendbücher. Vielleicht wird es ja auch wieder besser. Oder die Autoren entfernen sich endlich mal wieder vom immer gleichen Schema.
    Ich wünsche dir viel Spaß mit deinen nächsten Büchern!

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